Sherry ist ein spanischer verstärkter Weißwein, der einem speziellen
Reifeprozess unterzogen wurde und zur Kategorie der Likörweine zählt.
Durch sein Herstellungsverfahren entwickelt er ein nur diesem Wein
eigentümliches, an Mandeln und Hefe, bisweilen auch an Hasel- und
Walnüsse erinnerndes Aroma. Das Hauptmerkmal aller Sherrys ist, dass
sie aus einem trockenen Weißwein (aus der Palomino-Traube) hergestellt
werden. Dieser Wein wird nach vollendeter Gärung mit Branntwein
versetzt, d. h. von ursprünglich 11 bis 12 auf 15 bis 18 Prozent
Alkohol aufgesprittet, und anschließend in unverschlossenen
600-Liter-Fässern an der Luft gereift. Alle Sherrys sind somit
ursprünglich trocken. Sherry wird während seiner Fassreife aus Weinen
unterschiedlicher Jahrgänge verschnitten, und ist als
Herkunftsbezeichnung geschützt: Nur Weine aus dem andalusischen
"Städtedreieck" Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und El
Puerto de Santa María dürfen als Sherry bezeichnet werden.
Der
Begriff "Sherry" rührt vom arabischen Namen Sherish [Phönizisch Cera,
Römisch Ceret] für den heutigen Ort Jerez de la Frontera her. Es ist
der Wein Andalusiens, weltweit bekanntgemacht von englischen
Handelshäusern im 18. und 19. Jahrhundert.
Sherry wird in unterschiedlichen Ausprägungen hergestellt und unter
entsprechenden Handelsbezeichnungen angeboten, die ihre Eigenart im
wesentlichen durch den Alkoholgehalt des Grundweines und somit durch
das Ausmass an anschliessender Oxidation erhalten:
Fino:
Fino ist sehr trocken und hat eine helle, strohige Farbe. Fino schmeckt
sehr leicht, hat ein angenehmes Mandel-Hefe-Aroma und wird - wie
Weißwein - kalt getrunken. Der Alkoholgehalt liegt in der Regel bei 15
Prozent. Das wesentliche Element bei der Entstehung eines Fino aus dem
aufgespriteten Weißwein ist die sich im Fass auf der Oberfläche des
Weines spontan bildende Hefeschicht, auch als "Flor" bezeichnet [Siehe
unten, unter "Herstellung"]. Es ist der Stoffwechsel dieser Hefe, die
dem Fino sein einzigartiges Aroma verleiht. Die optimale
Trinktemperatur liegt bei 8 bis 10 °C.
Manzanilla:
Manzanilla ist eine besondere Art des Fino, die aus dem Hafenort
Sanlúcar de Barrameda stammt. Meistens etwas heller in der Farbe als
Fino sowie deutlich trockener und von leicht salzigem Abgang.
Allerdings wird im Spanischen auch Kamillentee als Manzanilla
bezeichnet, was in der örtlichen Gastronomie häufig zu
Missverständnissen führt.
Manzanilla Pasada:
Ein
besonders lange gereifter Manzanilla (pasada = zu weit gegangen). Durch
die langsam absterbende Flor-Hefe (siehe unter "Fino") und dadurch
beginnende Oxidation meistens etwas dunkler als die Manzanilla, aus der
er entstanden ist. Vom Geschmack kräftiger; Salzmandel-Noten.
Manzanilla Pasada ist die erste Stufe auf dem oxidativen Reifeprozess
des Manzanilla hin zum Amontillado.
Amontillado:
Ein Amontillado (span: Nach Art derer von Montilla) entsteht durch
Oxidation aus einem Fino (bzw. aus Manzanilla). Die Hefe stirbt im
Laufe der Jahre ab, wodurch der Oxidationsprozess einsetzt. Die
Zwischenstufen dieser Oxidation tragen die Bezeichnungen: Fino
Amontillado und Amontillado Fino. Amontillados haben eine kräftige
Bernsteinfarbe, mit einem vollerem, stark an Nüsse oder Mandeln
erinnernden Aroma, und einem Alkoholgehalt von 17 bis 21 Prozent. Die
optimale Trinktemperatur liegt bei 16 °C.
Oloroso:
Olorosos entstehen rein oxidativ, also ohne die ansonsten typische
Florschicht und im direkten Kontakt mit der Luft. Der Grundwein wird
von Anfang an mit Branntwein auf 18 Prozent aufgespritet und oxidiert
im offenen Holzfass jahre- oder jahrzehntelang vor sich hin. Olorosos
sind somit kräftiger und dunkler als Amontillados. Während ein
Amontillado Aromen von Haselnüssen und Leder entwickelt, sind es beim
Oloroso eher Aromen wie Dörrpflaume und Lakritz. Die optimale
Trinktemperatur liegt bei 12 bis 16 °C.
Palo Cortado:
Ein Zwischentyp, mit einer Nase, die eher an Amontillado erinnert, am
Gaumen jedoch eher wie ein Oloroso schmeckt: mandelähnliches Aroma,
trocken, ausgewogen und elegant. Im Abgang meistens leicht pikant,
grüne Paprika. Eine spontan entstehende, seltene, nicht industriell
herstellbare Sherry-Sorte. Die optimale Trinktemperatur liegt bei 16 °C.
Pale Cream:
Ein Fino, der mit weissem Süsswein verschnitten wurde. Blasse Farbe.
Geschmeidig, scharfes, aber delikates (süsses) Aroma. Die optimale
Trinktemperatur liegt bei 12 bis 16 °C.
Cream:
Dunkle Farbe. Ein ursprünglich trockener Oloroso, der mit Süsswein (aus
Moscatel oder Pedro Ximénez-Trauben) verschnitten wurde. Scharfes, aber
subtiles Aroma und voller Körper. Die optimale Trinktemperatur liegt
bei 16 °C.
Pedro Ximénez:
Eine Weissweintraube, die
in Jerez eher selten ist. In Jerez und anderen Gebieten Spaniens
(Málaga, Montilla-Moriles) wird daraus meistens ein recht üppiger süßer
Sherry mit etwa 17 Prozent Alkohol und einem eher rosinenartigen Aroma
hergestellt. Dient meistens zum Aufsüßen von ursprünglich trockenen
Amontillados und Olorosos zu Mediums oder Creams. Im Anbaugebiet
Montilla-Moriles werden aus dieser Traube jedoch auch (trockene) Finos
und Amontillados hergestellt. Die optimale Trinktemperatur liegt bei 16
°C.